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Erste Erlebnisse beim Projekt. September 6, 2010

Filed under: Uncategorized — kwakoarne @ 2:47 pm

Seit meinem letzten Eintrag ist schon wieder ne Menge Zeit vergangen. Dass ich mich seitdem noch nicht wieder gemeldet habe, liegt wahrscheinlich daran, dass ich vor 2 Wochen mit der Arbeit im Projekt angefangen habe.

Morgens komme ich auf meinem Weg zur Arbeit immer durchs „Arts Centre“, das laut Reiseführer der populärste Souvenirmarkt Accras ist, weshalb hier auch viele Europäer bzw. Weiße unterwegs sind, um mit den vielen Händlern über verschiedene Preise zu feilschen. Da ich logischerweise auch als „Europäer“ enttarnt werde, versuchen diese auch  mir jeden Morgen ihre Ware anzubieten. Ich als Morgenmuffel habe dann meistens überhaupt keine Lust mich von jedem zweiten Händler anquatschen zu lassen. Manchmal ist es gar nicht so einfach sie abzuwimmeln und ihnen zu erklären, dass man nur zur Arbeit geht und nichts kaufen möchte. Ich hoffe einfach mal darauf, dass sie mein Gesicht irgendwann kennen und mich verschonen.

Es ist allerdings schon interessant, hin und wieder mal einen Weißen anzutreffen, da man hier in Accra (wo man ausschließlich überdurchschnittlich pigmentierte Menschen zu Gesicht bekommt) unter den vielen Schwarzafrikanern manchmal schon fast vergisst, dass man ganz anders aussieht und sich total von der Masse abhebt. Während man im ersten Moment denkt: „Oh, was ist das denn? Da ist ja ein Weißer!“ fällt einem danach auf: „Achja, ich selber sehe ja auch so aus.“

Wenn ich das „Arts Centre“ dann endlich passiert habe, gehe ich noch an ein paar auf engstem Raum zusammengebauten Wohnhäusern vorbei und bin dann auch gleich bei meinem Projekt, der sogenannten „Street Academy“. Das Flachdach-Gebäude (Holz) beinhaltet drei Klassenräume, die jeweils nur von mobilen Trennwänden getrennt werden, eine einfache Küche und zwei Büros.
Unser „Schulhof“ wird von den Wäscheleinen unserer Nachbarn durchzogen und bildet irgendwie den Mittelpunkt von mehreren Wohnhäusern. So ein richtiger Schulhof ist es eigentlich nicht.
Alle Mitarbeiter sind – so weit ich das bis jetzt beurteilen kann – ganz nett und helfen mir bei der Eingewöhnung an meine neue Arbeit.

So wirklich viel arbeiten kann ich im Moment aber leider noch nicht. Da in Ghana im Moment Ferien sind, ist zur Zeit nur „vacation class“ (Ferienschule). In unserem Fall bedeutet dies aber etwas anderes. Diejenigen Schüler, die schon 3 Jahre zur Street Academy gegangen sind, bekommen nun ein Stipendium für eine staatliche Schule, für die sie normalerweise kein Geld hätten. Sie werden in den Fächern Englisch und Mathe nun noch einmal gezielt vorbereitet, damit sie in der staatlichen Schule einigermaßen gut mitkommen können. Die anderen bleiben zu Hause. Im Moment versuche ich mich als Lehrer-Assistent möglichst gut einzubringen, um so langsam zu spüren, wie diese Schule so „tickt“.

Abgesehen davon, habe ich die Fußball-Mannschaft der Street Academy am Freitag zum ersten Mal trainiert, da sie gleich am darauffolgenden Tag ein Turnier gegen andere Straßenkinder-fördernde Schulen hatte.

Ich war hoffnungslos überfordert!

Ich bin mit 23 Kindern (Jungen und Mädchen) im Alter von 10 bis 15 Jahren zu einem benachbarten Bolzplatz gegangen. Die erste Hürde war das Aufwärmen. Ich habe es nicht geschafft, den Kindern beizubringen, sich in 2 Reihen aufzustellen, um dann verschiedene Übungen zum Aufwärmen zu machen. Niklas, der schon seit Januar in dem Projekt arbeitet, hat sich zum Glück erbarmt mitzukommen, um mir ein bischen zu helfen. Mit seiner Hilfe und sehr viel Geduld hatten wir die Kinder dann so weit, sich in 2 Reihen hintereinander aufzustellen. Ich bin dann vor den Kindern hergelaufen und sie sollten nachmachen, was ich vormachte. Als ich mich das erste mal umdrehte, wollte ich am liebsten vor ihnen wegrennen! Aus dem Warmmachen in Reih und Glied haben sie ein Wettrennen gemacht. Es wurde zwar immer besser, aber mehr möchte ich nun nicht über das Training schreiben, das deprimiert mich zu sehr! 😉 Bei dem Turnier wurden wir immerhin 2ter!

Dann möchte ich noch von 2 Dingen erzählen, die das Leben hier sehr prägen!

Zum Einen vom TroTro-Fahren. Das TroTro ist das Fortbewegungmittel Nr. 1 hier in Accra.

Das TroTro an sich ist meistens ein Kastenförmiger Wagen, vergleichbar mit einem VW-Bus, in allen möglichen Längen. Oft handelt es sich dabei um einen aus Europa importierten Firmenwagen, der wahrscheinlich wegen den verschärften Abgasbestimmungen nicht mehr durch den TüV gekommen ist. So verschiebt sich die Klimaverpestung von Europa nach Afrika. Deshalb ist ein solches Fortbewegungsmittel nicht selten mit Schriftzügen wie „Elektro Meyer – wir habens, wer sonst?“ und Ähnlichem  beschriftet.

Je größer ein TroTro ist, desto profitabler ist das Befördern von Leuten mit ihm. Damit mehr Leute in so einem Gefährt unterkommen können, um wiederum mehr Geld einzunehmen, wird gerne mal in Kauf genommen, dass die Kunden solcher TroTro-Mobile sehr dicht aufeinandersitzen, vielleicht sogar kuscheln. Das kommt dann natürlich immer ganz auf die Essgewohnheiten seines Nebenmannes, oder wohl eher der Nebenfrau (die in Ghana oftmals sehr gut ernährt wurden) an. Da Beinfreiheit in so einem Ungeheuer ein Fremdwort ist, kommt es öfter mal vor, dass mir (ich bin      – in diesem Fall – leider etwas zu groß geraten) sämtliche Extremitäten während einer solchen Fahrt (zur Arbeit brauche ich meistens 1,5-2 Stunden) einschlafen. Beim Ausstieg habe ich dann einen entsprechend komischen Laufstil – haha!                                                                                   Manchmal kann ich mit meinem sich weiterentwickelnden Tro-Tro-Kennerblick aber auch die Plätze ausmachen, die am gemütlichsten sind, also am meisten Beinfreiheit haben. Der rechte Beifahrersitz (nicht der linke, weil da die Armaturen meinen Beinen im Wege sind) und der Platz direkt hinterm Fahrer (der allerdings auch zur Tortur werden kann, wenn der Motor darunter zu viel Hitze (!) ans Metall nach oben weiterleitet) sind meistens die besten Optionen.
Das gute am TroTro ist, dass es einfach nur billig ist. An einem Arbeitstag (2 Fahrten) bezahle ich umgerechnet nur einen Euro, obwohl ich ca. 3 Stunden darin verbracht habe. Außerdem hat so ein TroTro ein ganz besonderes afrikanisches Flair, vielleicht deshalb, weil man wirklich alle Alters- und  Reichtumsklassen wiederfindet.

Zum Anderen vom Essen.
Ich habe in meinem ersten Bericht schon einmal von meiner Begegnung mit dem ghanaischen Lieblingsessen erzählt. Das „Fufu“ habe ich damals als einen Schleimklopps beschrieben, der nach gar nichts schmeckt und den nur der Hunger reintreibt. Inzwischen (ich hab z.B. dieses Wochenende innerhalb von 24 Stunden 3mal Fufu gegessen) hab ich mich dran gewöhnt. Der Schleimklopps schmeckt zwar immer noch nach nichts, aber die scharfe (!) Soße und der Fisch dazu machen diese Speise zu einer Speise, die man essen kann und die mir hoffentlich immer besser schmecken wird. Auf der anderen Seite hat mich ein bischen Zeit in dieser Stadt zu verschiedenen anderen Köstlichkeiten geführt, die man nicht nur essen kann, sondern die dazu auch noch schmecken. So gehen Niklas, Martin (2 Freiwillige auch von der Sreet Academy) und ich jeden Tag in der Mittagspause zu der von uns liebevoll benannten „Egg-Bread-Frau“ ( also Eier-Brot-Frau), die es immer wieder schafft, mich mit einer besonderen Mischung aus Spiegelei, Salat und Weißbrot halbwegs zu sättigen – und das für etwas mehr als 50 Cent! Auch die Früchte in Ghana sind einfach der Hammer! Ich habe noch nie so gute Ananas gegessen. Nur ein Beispiel.

So das war’s erstmal wieder von meiner Seite. Ich werde nun erstmal eine Woche frei haben, bis es übernächste Woche wieder richtig los geht mit der Street Academy. Um einmal mehr von Ghana zu sehen und um das übel-riechende und verdreckte Accra mal hinter mir zu lassen, werde ich wahrscheinlich diese Woche nutzen, um AFS-Freunde in einem Dorf nördlich von Accra besuchen zu gehen. Natürlich werde ich diese 5-Stunden-Fahrt per TroTro auf mich nehmen. Möge mein TroTro-Kennerblick mich fuehren! 😉

Ohja, hinterlasst doch mal nen Gruß oder stellt ne gescheite Frage, damit ich auch merke, dass der Blog gelesen wird und ich mir die Mühe, die natürlich auch etwas Spaß macht, nicht umsonst mache.

Liebe Grüße, Arne

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16 Responses to “Erste Erlebnisse beim Projekt.”

  1. merten Says:

    keine Angst, der wird gelesen!
    fragen hab ich aber nicht so. außer: wie schmeckt das bier? ^^

    • Jan-Dirk Says:

      Du musst unbedingt mal nen paar Fotos hochladen (Facebook)
      Alles Gute und Gottes Segen dir, JDJ

    • kwakoarne Says:

      okay, ueberzeugt! 😉
      ghanaer bezeichnen ihr land selber als biernation und sind beleidigt, wenn man fragt, ob es hier auch bier gibt 😀

      es gibt zwar nicht so viele sorten wie in deutschland, aber viele der wenigen sorten schmecken und sind meistens echt billig! so viel zum bier 😀

  2. Felix Says:

    Stell nochmal n paar Bilder rein, ich will mal so n TroTro und ein Fufu sehen 😉
    Alles Gute weiterhin!

  3. Julia Says:

    Hey,
    ich habs auch gelesen und es ist jedes Mal wieder interessant zu lesen wie es dir so geht;)
    Weitere Fragen hab ich jetzt aber auch erst mal nicht, dein blog war wiedermal sehr informativ, was ich echt gut finde =)
    Liebe Grüße von zu Hause
    Julia

  4. Onkel aus Loquard Says:

    Hallo Kwako
    Ich finde deine Blog’s sehr schön.Da ich ja weiss das Du nur schwer satt zu kriegen bist würde ich gerne wissen wie die tagesüblichen Portionen ausfallen? Wenn Du mal(wieder) nicht satt wirst gibt es dann ein MC Donald oder eine Pommesbude um die Ecke oder must du dann erst 2 Stunden TRO TRo fahren?
    Wir haben diese Woche 8 Kälber bekommen ;zwei davon mussten wir aus dem Graben angeln.(Zwillinge) Aber alles in Ordnung.Im Stall ist jetzt natürlich viel los.

    muss jetzt leider schluss machen das ESSEN wartet.
    Liebe Grüsse aus Loquard

    • kwakoarne Says:

      Moin Onkel! 🙂
      ne, das mit mcdonalds ist hier nicht so einfach 😀 hab ich noch nicht gesehen. man kann aber im reichen viertel accras dienstags 2 Pizzen zum preis von einer bekommen, was trotzdem noch rel. teuer ist. da ich mich aber zwinge, mich an das ghanaische essen zu gewoehnen und so gut es geht damit auszukommen, versuche ich so selten wie moeglich pizza oder aehnliches zu essen. wir haben trotzdem einmal im monat einen pizza-tag eingerechnet 🙂
      8. bestimmt viel arbeit 😀 das erinnert mich an die milch die es hier leider auch nicht gibt 😀

      okay, schoen von dir zu hoeren, das naechste mal laesste aber weg, wenn das ESSEN wartet. das ist gemein!
      Liebe gruesse aus accra, Arne

  5. Tobi Says:

    Hiii!
    Ich wette, dass Du auch noch im letzten Monat von den Verkäufern angesprochen wirst 😀
    Findest Du noch Zeit zum ,,Feiern“ oder bist du einfach zu beschäftigt? 🙂
    Hoffentlich wird’s nicht allzu anstrengend, wenn bei Dir der ,,reguläre Unterricht“ wieder losgeht.. was machst du so als Assistent? Hoffentlich keine Handkantenschläge gegen die Tafel 😀 Naja, das wirst Du uns ja bestimmt erst erzählen können, wenn Du dich richtig eingelebt hast, so teacher-assistanttechnisch 🙂
    Andre ist gut in Australien angekommen, angeblich wurde auch schon ausgiebig gefeiert 😀
    Wie sieht’s wettermäßig bei Dir aus? Gut akklimatisiert? Ihr habt’s bestimmt unglaublich heiß und schwül da unten..

    Freu mich schon auf Deinen nächsten Eintrag 🙂 Vielleicht fang ich auch mal an zu bloggen, wenn das Studium losgeht =D (wenn’s denn überhaupt einer lesen würde, haha :D)

    Arne, machs gut erstmal. Hoffentlich hast Du eine Apotheke – oder sowas in der Art – gefunden 😉

    Keep it up! Irgendwann wird das Training bestimmt besser 😉

    Grüße aus dem heute verregnetem und nur 14°C warmen Moormerland,

    Tobi

    • kwakoarne Says:

      Moin TOB! alte saege! 😉
      so richtig feiern war ich hier noch nicht. eher n bier trinken bei schoener atmosphaere 😉 einmal auf nem rooftop von nem hochaus und einmal direkt an der brandung, das war gut!
      ja ich glaub auch, dass ich ueber die arbeit noch nich so viel sagen kann, sondern erst, wenn die schule so richtig angefangen hat. ohne handkantenschlaege! 😀
      von andre hab ich noch nichts gehoert -.- aber hoert sich ja nicht schlecht an 😀 ja mach das – ich wuerds lesen 😀 das wetter ist hier zwar immer warm, aber man kann es aushalten, da noch regenzeit ist. trotzdem immer ueber 25 grad wuerd ich mal spontan sagen.

      danke fuer die informationen 😉
      reingehauen, Arne!

  6. Adelheid Voogd Says:

    Lieber Arne,
    ich habe mit großem Interesse alles gelesen.
    Vermisst Du den Ostfriesentee???
    Dies Jahr wird bestimmt noch sehr spannend.
    Viele Grüße aus Düsseldorf,
    Aida

    • kwakoarne Says:

      das ist schoen! 🙂
      den ostfriesentee vermisse ich nicht. hab mir tee und kluntje natuerlich mitgenommen. die richtige milch dazu fehlt mir aber. und andere leckere sachen aus deutschland auch sehr!
      viele gruesse aus accra, Arne

  7. Malte Says:

    Heyho du alte Hilfsamöbe
    Schreibst ja immer sehr schöne und ausgiebige Berichte über dein Leben und Status als „nicht-voll-pigementierter“ in Accras ;).
    Find ich persönlich klasse, hoffe dass ich das aus Australien auch so gut hinbekommen werde.
    Ist dir aufgefallen, dasss du die Klischees der Deutschen-Jugend bedienst indem du über Essen, Fußball und Bier schreibst? 😉 Auch wenn das letztere nur als Resultat auf eine Frage aufgetreten ist.
    Naja auf jeden Fall immer Klasse von dir zu hören und gut zu wissen das Alles in Ordnung ist. Dann mal reingehauen, halt die Ohren steif und lass dich nicht unterkriegen

    Grüße aus der Heimat

    Malte

  8. Andre Says:

    Muuui alte Säge 😉

    Ich wollte auch mal kurz nen Gruß hinterlassen: „Gruß“ und dir weiterhin alles gute wünschen. Ich hoffe, dass ich demnächst mal die Chance bekomme deinen Blog regelmäßiger zu lesen und vielleicht sogar, wie jetzt, einen Kommentar inkl. Gruß zu hinterlassen. Essenstechnisch kann ich dich aber trösten, denn das besteht bei uns teilweise auch aus einem interessanten Mix aus Instant Noodles mit wahlweise Chiken, Beef oder Oriental Flavour und dazu die billigsten Sausages, weil Australien doch sehr teuer ist, was Lebensmitel angeht.

    Liebe Grüße und alles Gute digga

    • kwakoarne Says:

      Andre, schoen von dir zu hoeren! und danke fuer den „gruss“! 😀 das mit dem essen ist seit dem gastfamiliewechsel auch schon viel besser geworden!!
      wo treibste dich im mom rum und was arbeitest du so?
      kannste mir mal deine handynummer geben? mal gucken wie teuer das ist.

      Liebe gruesse und alles gute. halt dich von bernd dreher fern! 😉


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