Kwako's Blog

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Ausflug zu den Buti-Falls November 12, 2010

Filed under: Uncategorized — kwakoarne @ 6:10 pm

Am Freitag sollten wir alle schon um 7 Uhr bei der Street Academy sein, damit wir SOFORT den Bus besteigen koennen um dann direkt loszufahren.  Der Grund dafuer, war ein geplanter Ausflug mit fast allen Kindern und Staff-Mitgliedern nach Koforidua, einem Ort ca. 3 Stunden entfernt von Accra, in der Eastern  Region.

Da ich schon irgendwie vorausahnen konnte, dass es mit 7 Uhr nichts wird, habe ich lieber zu Hause noch ein gutes Fruehstuck genossen (Toastbrot mit Spiegelei und Baked Beans) und bin dann so langsam losgetrudelt, um dann um 8 Uhr da zu sein. Vorher haben mich meine sehr lieben Tanten mit einem Lunch-Paket aus dem Haus geschickt, das zwar mit sehr leckeren Sachen gefuellt war und auch einige neidische Blicke auf sich gezogen hat, aber mir spaeter noch zum Verhaengnis werden sollte.

Als ich dann da war, hat sich mir das Bild gezeigt, mit dem ich gerechnet hatte. Das Fruehstueck, das fuer die Kinder gedacht war, war noch gar nicht ausgeteilt, einige der Organisatoren waren selber noch nicht da und niemand wusste so wirklich, wann es denn nun losgeht. Ghana eben. Ich hab mich dann schonmal an mein Lunch-Paket gemacht.

Aber dann ging es irgendwann doch noch los. Zu Beginn der Busfahrt war das Getanze und vor allem das Gesinge und Geklatsche der Kinder noch ganz nett anzusehen/ zo hoeren, aber nach 3 Stunden Busfahrt war ich ganz schoen genervt und froh, als wir dann endlich da waren. Auf unserem Weg ging es durch die Berge noerdlich von Accra, von wo aus man einen sehr schoenen Blick auf diese grosse Stadt hatte. Ausserdem war es mal wieder schoen, dass saftige gruen Ghana’s Natur zu sehen und frische Luft einzuatmen.  Eigentlich haette die Fahrt nur 2 Stunden gedauert, aber weil der Busfahrer einfach in irgendeinem Dorf am Wegesrand gehalten ist und erstmal fuer ca. ne Stunde abgehauen ist, hat sich alles ein bischen verzoegert. Niemand wusste so wirklich, was der Kerl gemacht hat.

Als wir dann endlich da waren, kam der wirklich anstrengende part unseres Trips. Um 2 der eher weniger spannenden Attraktionen (eine Palme mit 3 Haelsen und ein riesiger Felsen, der die Form eines Regenschirms hatte ) zu erreichen, mussten wir erstmal einen Berg erklimmen. Die Kinder sind da hochgeklettert wie die Ameisen, aber ich mit meinem schweren Gepaeck, hab mir dabei wirklich einen abgebrochen. Als ich dann endlich oben war, war ich klitschnass-geschwitzt, aber die schoene Aussicht, die sich uns auf dem Berg bot, war es auf jeden Fall wert. Ausserdem hab ich erstmal alles aufgegessen- und getrunken, damit mein Rucksack leichter und der Rueckweg nicht so anstrengend wird  😉

Als es dann endlich wieder runter ging – und zwar zu den Wasserfaellen – konnte man am Wegesrand immer wieder Schilder sehen, die uns davor warnten, dass es lebensgefaehrlich sei im Becken der Wasserfaelle zu schwimmen und auf eigene Gefahr sei. Das sollte sich allerdings als die typische Angst der Ghanaer vor dem Schwimmen herausstellen (die meisten koennen nicht schwimmen), da es absolut nicht gefaehrlich war, sondern einfach nur schoen, sich den Wasserfall auf den Ruecken plaetschern zu lassen oder das zumindest zu versuchen, da die Wucht des Wasserfalls uns immer wieder weggestroemt hat. Ein gutes Gefuehl. Auch ansonsten war alles dort unten sehr schoen anzusehen. Der Trip hat sich auf jeden Fall gelohnt, erst recht fuer die Kinder, die sonst selten die Stadt und ihren Alltag verlassen. Auf der Rueckfahrt waren dann zum Glueck alle Kinder etwas muede und ich konnte sogar etwas schlafen 🙂

Ansonsten bin ich an dem Wochenende noch zum Fussball-Spiel der „Hearts of Oaks“ aus Accra gegen den „FC Liberty“ aus dem nirgendwo gegangen, um mich mit ein paar anderen Freiwilligen zu treffen und Fussball zu sehen. Leider war das Spiel ueberhaupt nicht gut (0:1), aber ich habe eine neue Variante des „Schiedsrichterballs“ gesehen, der wohl jedem Interessierten ein Begriff sein sollte. Der Schiedsrichter hat einfach den Ball in die Hand genommen ist dann irgendwie zur Verwirrung ganz eigenartig mit dem Ball herumgerannt und den Ball dann irgendeinem Spieler zugeworfen. Aber warum? Komisch. Totzdem tat es mal wieder gut die anderen AFS’ler zu sehen und sich n bischen auszutauschen. Sooo, das war mein Wochenende! Fotos kommen bald! Jetzt seid ihr dran. Erzaehlt doch auch mal was ihr so erlebt 🙂

Liebe Gruesse aus dem heissen Ghana vom Ghana-Arne

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Arbeit in der Street Academy November 3, 2010

Filed under: Uncategorized — kwakoarne @ 8:28 pm

Ich bin jetzt 84 Tage hier und den Grossteil  der Tage habe ich in der Street Academy – bei meinem „Arbeitgeber“ – verbracht. Das zentrale Ziel der SA ist es, Strassenkinder Accras  (unterschiedlichste Altersklassen; zwischen 5-18) zu bilden und  auch anderweitig zu unterstuetzen, um ihnen im Optimalfall am Ende ihres langen Weges ein „zivilisiertes Leben mit gesichertem Einkommen“ zu verschaffen.

Als ich im August dort angefangen bin zu arbeiten, war erstmal nicht sehr viel los, weil nur Vacation Class (=Ferienschule) war. Das heisst, dass die Kinder, die lang genug auf unsere Schule gegangen sind (meist 3 Jahre), nun ein Stipendium fuer eine staatliche Schule bekommen (in Ghana wird das Schulgeld nicht vom Staat getragen) und abschliessend noch einmal in Mathe und Englisch auf das Arbeiten in einer staatlichen Schule vorbereitet werden.

Nachdem die Vacation Class beendet war, wurden 2 Wochen lang neue Schueler „enrollt“. Damit ist gemeint, dass versucht wurde, neue Schueler aufzunehmen, die den Kriterien entsprechen. Unsere Zielgruppe sind Kinder z.B. aus den Vierteln Chorkor und Jamestown, die zu den aermsten Vierteln Accras gehoeren. Die Menschen dort leben auf engstem Raum zusammengepfercht in improvisiert aufgebauten Wellblechhuetten oder manchmal auch in heruntergekommenen Steinhaeusern.  Die Kinder, die von ihren Eltern\ Geschwistern\Bekannten zu unserer Schule gebracht wurden,  wurden einem Test unterzogen, der zeigen sollte, inwieweit die Kinder schon gebildet wurden und in welche Klasse sie kommen wuerden. Ausserdem wurde geprueft  – so uebel es klingt – ob die Kinder (bzw. die Eltern) arm genug waren, um zur Street Academy kommen zu duerfen, was das eigentliche Kriterium ist. Leider versuchen manche Eltern, die sich es eigentlich noch leisten koennten ihr Kind zu einer „normalen“ Schule zu schicken, ihre Kindern bei uns unterzubringen, um Geld zu sparen (was ich trotzdem sehr gut nachvollziehen kann). Bevor ich nach Ghana gekommen bin, dachte Ich, dass es sich um Strassenkinder ohne irgendeine familiaere Bindung handelt, die zur Street Academy kommen. Nach etwas Rumfragen, habe Ich dann herausgefunden, dass viele der Kinder zwar manchmal eine Familie (selten vollstaendig) oder andere Bekannte haben, aber diese so arm sind, dass die Kinder nicht zur Schule  gehen koennen und nicht im „Haus“ schlafen koennen, sondern irgendwo davor, da in dem Haus selbst kein platz mehr ist (dort schlafen schon Eltern\Bekannte\anderweitig Verwandte).  Da ich aber keine der Landessprachen spreche, hatte ich mit dem „Enrollment“ wenig zu tun, sondern musste z.B. Poster fuer die einzelnen Klassenraeume basteln oder die Schulhefte fuers kommende Schuljahr mit Umschlaegen versehen – sehr spannend.

Unser Schulgebaeude ist ungefaehr so gross wie 2 kleine deutsche Klassenraeume aneinandergereiht und soll Platz fuer 4 Klassen bieten, die nur mit mobilen Trennwaenden voneinander abgetrennt werden. Da sich viele Schueler der unterschiedlichen Klassen trotzdem noch sehen und vor allem auch hoeren koennen, werden die Kinder leider sehr leicht abgelenkt. Es ist unglaublich laut darin! Aber anscheinend ist schon ein neues Schulgebaeude in Aussicht. Anscheinend.

Was sind meine Aufgaben waehrend des „normalen“ Schulbetriebs?

Am ersten richtigen Schultag, also nach der Phase der Einschulung, habe ich das erste Mal erfahren, wie sich eine vollstaendig gefuellte Schulklasse verhaelt und anfuehlt. Eigentlich muesste ich „nur“ als Assistenz-Lehrer arbeiten, aber da Francis, der eigentliche Lehrer der Intermediate Class (Fortgeschrittene), an diesem Tag die alten Schueler, die nun das Stipendium bekommen haben, zu den jeweiligen staatlichen Schulen gebracht hat, stand ich alleine vor einer Klasse, die das erste Mal komplett gefuellt war. Ich wusste schon ungefaehr, was ich mit den Schuelern anfangen wollte, aber leider haben mich immer wieder unvorhersehbare Kleinigkeiten aus dem Konzept geworfen. Erfahrungen, die man wohl gemacht haben muss.

Meine erste richtige Unterrichtstunde sah ungefaehr so aus:

Nachdem ich zuerst  einige simple englische Vokabeln an die Tafel geschrieben hatte und diese dann zusammen mit den Schuelern buchstabiert und ausgesprochen habe, wollte ich danach ein Diktat mit genau diesen Vokabeln machen, bis mich das erste Problem mit den Bleistiften eingeholt hat. Leider sind nicht immer alle Bleistifte der Kinder angespitzt und da ich den einzigen Anspitzer bei mir hatte und dieser bei der ungeduldigen Meute der Kinder untergegangen waere, habe ich zuerst einmal die Rolle des anspitzenden Lehrers uebernommen.  Als ich dann dachte, endlich mit dem Anspitzen fertig zu sein und jeden Schueler mit einem funktionierendem Bleistift versorgt zu haben, stand die Haelfte der Klasse wieder vor mir, und zwar mit folgenden Problemen: Entweder waren Sie mit der Qualitaet des Anspitzens nicht zufrieden und wollten – wie der Nebenmann auch – einen sehr spitzen Bleistift haben (etwas spitz reicht manchen  da schon nicht mehr) oder – was noch deprimierender war – sie haben einfach die Miene herausgepult, mir den Stift unter die Nase gehalten und so getan als waere es vorher schon gewesen. Irgendwann konnte ich sie dann alle mit einer Mischung aus Wut und Geduld wieder auf ihre Plaetze verbannen und eeeeeendlich anfangen zu diktieren. Das zweite Problem mit den Bleistiften war das Einsammeln jener. Da die Stifte jeden Tag wieder eingesammelt werden, um sie vor den Kindern zu „schuetzen“ (geklaute Bleistifte wuerden am naechsten Tag nicht wieder auftauchen) habe ich versucht die Anzahl wieder reinzubekommen, die Ich rausgegeben hatte. Manche von den Kindern behaupten dann aber ganz dreist mir den „pencil“ schon gegeben zu haben und luegen mir ganz frech ins Gesicht waehrend Ich ganz genau weiss, dass das Objekt der Begierde unter dem Tisch des Schuelers liegt. Nach meinem Griff unter den Tisch und einem ploetzlichen Aendern des Gesichtsausdruckes des „Luemmels“ von Unschuldsmiene zum „Ich-weiss-von-nix-Blick“ kann man ueber diese „Probleme“ des Lehreranfaengers ganz leicht hinwegsehen, wenn man sich immer wieder vor Augen fuehrt, woher diese Kinder kommen, was fuer Werte von Gerechtigkeit und Ehrlichkeit dort gepredigt werden und wie diese Kinder auch sonst erzogen wurden. Ich haette vorher nie gedacht, dass ich meinem Leben noch einmal so viel ueber Bleistifte erzaehlen wuerde.

Irgenwie habe ich diese 2 Tage – die trotzdem irgendwie gut waren – ohne Francis dann auch ueberstanden und war froh, als er wieder da war und Ich mich meinen wirklichen Aufgaben als Assistenz-Lehrer widmen konnte. Meistens laeuft es so ab, dass Francis einfach seinen Unterricht macht und Ich und selber sehen muss, wie ich mich einbringen kann, auch wenn unsere Zusammenarbeit schon recht gut klappt, wuerde ich mal behaupten. Ich habe es z.B. so weit gebracht, dass das „deutsche“ schriftliche Addieren bei uns praktiziert wird, weil es unserer Meinung nach einfacher zu verstehen ist. Auch sonst koennen wir gelegentlich ein paar Sachen aus Deutschland uebernehmen, so wie ich sie gewohnt bin. Aus diesem Grunde bin ich froh, dass ich mit meinem „Vorgesetzten“  Lehrer Francis gut zu Recht komme und eine Zusammenarbeit zu Stande kommt (manchmal nehmen Lehrer gar keine Tipps der Freiwlilligen ernst und lassen nicht wirklich mit sich reden). Auch sonst ist Francis ein ganz lustiges und nettes Kerlchen, so wie die meisten anderen Mitarbeiter auch. Waehrend der Stunden gehe ich dann durch die Reihen und helfe einzelnen Schuelern beim Lesen oder Rechnen oder korrigiere z.B. Diktate. Allerdings muss man immer sehr viel Geduld mitbringen. Leider gibt es auch ein paar wenige Schueler in unserer Klasse, die trotz laengeren Aufenthalts in der SA nicht wirklich lesen koennen. Ich war wirklich schockiert als ich das rausgefunden habe, weil sie zwar in der Lage sind, einzelne Woerter, die sie schon oft gesehen haben, zu benennen, aber wenn ich ihnen dann einen Buchstaben des Alphabets gezeigt habe, waren sie am Ende ihrer Weisheit. Seitdem zitiere ich immer eine Hand voll Schueler aus der Klasse und mache mit ihnen zusaetzlichen Lese-Unterricht waehrend Francis parallel unterrichtet. Es ist nicht immer einfach, aber wenn man dann sieht, dass auch die eher schwaecheren Schueler „kleine Schritte gehen“ ist es sehr erfuellend und motivierend. Neben dem Unterricht bin ich dann an 3 Nachmittagen auf dem Fussballplatz anzutreffen, wo ich ,zusammen mit einem ghanaischen Coach, das Nachmittagsangebot „Fussball“ betreue. Aber davon habe ich schon einmal erzaehlt, habe ich irgendwo im Hinterkopf.

Allerdings ist das Arbeiten in der SA auch immer sehr anstrengend. Vor Allem durch die Kommunikations-Schwierigkeiten (die meisten Kinder sprechen kaum Englisch) aber auch wegen der Undiszipliniertheit der Baelger (treten, schlagen, klauen, schreien, luegen, rumrennen und mogeln) waehrend des Unterrichts kann man am Ende einzelner Stunden doch sehr geschafft sein. Wenn man sich dann voellig geschafft auf einen der freien Tische setzt und einfach nur abschalten und gar nichts machen will, kommt eigentlich immer eine Hannah, ein Solomon, ein LoveJoy oder eine Mawungo setzt sich nich neben mich, schaut den „grossen Weissen“ ganz lange an und studiert sehr genau die Merkmale, die von den Ghanaern unterscheidet. Ganz begeistert sind sie dann davon, wenn sie auf meine Hand druecken und jedes mal mit sehr grossen Interesse zuschauen, wenn meine Hand an der Druckstelle weiss wird und danach dann das Blut zurueck kommt und die Hand wieder so aussieht wie vorher. Es war nicht leicht zu erklaeren. Ganz hoch im Kurs sind ausserdem meine Haare, meine Muttermale und meine Beinbehaarung (Ghanaer haben bekannterweise eher gekraeuseltes Haar und sind glattes Haar deswegen nicht gewohnt). Aus dem Entspannen wird auf diese Art und Weise meistens nichts, aber trotzdem ist es irgendwie schoen, diesen wissbegierigen und neugierigen Kindern einfach nur durchs „da sein“ eine Freude zu machen und sie vielleicht ein Stueck weit ueber den rauhen Alltag ausserhalb der Schule hinwegschauen zu lassen. Solche Momente zeigen mir dann auch, dass die Kinder mich nicht mit Absicht zur Weissglut treiben, sondern einfach nur verspielt und unerzogen sind und es verdienen zur Schule gehen zu duerfen.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass dieses Projekt wirklich sinnvoll und notwendig ist und ich froh bin, hier arbeiten zu duerfen.

So, das wars nach ein paar Wochen (die Gruende kennt ihr teilweise) erstmal wieder von mir. Ich will hoffen, dass ich naechster Zeit die Motivation und vor allem Zeit und Moeglichkeiten habe, mich regelmaessiger zu melden, damit ihr nicht immer solche Text-Brocken lesen muesst. Ohne Gewaehr! 😉

Liebe Gruesse und bis zum naechsten mal, Arne