Kwako's Blog

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Vom ghanaischen Krankenhaus Dezember 1, 2010

Filed under: Uncategorized — kwakoarne @ 12:26 am

Moin,
von mir gibt es im Moment nicht so viel Spannendes zu erzaehlen. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich zwar Dinge erlebe, die irgendwie wohl interessant waeren, die ich aber gar nicht mehr als so interessant wahrnehme, weil fuer mich hier schon Vieles fast zur Normalitaet geworden ist.

Ich war allerdings bei einem HNO-Arzt, was auch fuer mich eine ganz interessante Erfahrung war. Es war nichts Schlimmes und ich wusste auch schon fast, was es war, aber ich wollte es lieber nochmal nachgucken lassen. Keine Sorge, Oma! 😀

Ich bin dann also mit meiner Gast-Tante zum Korle Bu Teaching Hospital gefahren, das eines der groessten und wohl auch renommiertesten Krankenhaeuser West-Afrikas sein sollte, so wurde mir gesagt.

Als wir angekommen sind, musste erst einmal eine Akte fuer mich angelegt werden. Dazu musste ich an einen Schalter kommen, an dem ich mit einem „Schalter-Mann“ den Bogen ausgefuellt habe. Er wollte dann Dinge wie Groesse, Geburtstort (blablabla) und Tribe (also Stamm) von mir erfahren. Als ich ihm dann erzaehlt habe, dass es bei uns in Deutschland keine Staemme gibt, wurde er ganz stutzig und wollte erst nicht weitermachen, bis ich ihn dann schliesslich davon ueberzeugt habe, dass es wirklich KEINE Staemme gibt in Germany. Nachdem ich dann endlich meine Akte bekommen habe, durften wir dann im Wartezimmer Platz nehmen. Der Begriff „Wartezimmer“ ist da aber wohl etwas fehl am Platze. Wartehalle wuerde es besser beschreiben, da Hunderte von Menschen in einem riesigen Raum ohne Waende sassen, der mich eher an die Wartehalle vor Interkontinentalfluegen erinnert hat.
Waehrend meiner Wartezeit haette ich mich wohl mit jedem Wartenden ueber die jeweilige Krankheitsgeschichte unterhalten koennen. Insgesamt sass ich naemlich von 8 bis 1 Uhr mittags in diesem Raum. Das wirklich Deprimierende daran ist, dass ich nach 5 Stunden Warten und 7 Minuten Behandlungszeit eine Diagnose bekommen habe, die ich schon vermutet habe. Aber was solls, so eine Erfahrung werde ich wohl (hoffentlich) nie wieder machen.

Ansonsten kehrt so langsam der Alltag ein. Ich habe meiner Gastfamilie beigebracht, mich mit „Mooooin“ zu begruessen, wenn ich von der Arbeit komme. Es fuehlt sich also immer mehr wie ein richtiges „Zu Hause“ an, auf das man sich nach einem anstrengendem Tag freut. Leider ist mein Gastbruder und Zimmer-Genosse Desmond (20) am Samstag nach Indien geflogen, um dort fuer 6 Monate ein Praktikum zu machen. Ich habe immer sehr viel mit ihm zusammen unternommen und mich sehr gut mit ihm verstanden, aber wenigstens haben wir noch einen Monat zusammen, wenn er dann im Mai wiederkommt. Ausserdem ist heute einer unser 3 Hunde gestorben. Der hat sich irgendwie beim Springen mit den Beinen verheddert und ist dann ungluecklich auf den Kopf gefallen. Sachen gibt’s! Leider war es der eine von den Dreien, der immer ganz aufgeregt zur Tuer gerannt ist und sich gefreut hat, wenn ich nach Hause gekommen bin, und sich erstmal eine Massage abgeholt hat aber leider erst 4 Monate alt war. Aber was willste machen. Es gibt Schlimmeres.

Morgen ist Welt-Aids-Tag und wird von der Street-Academy genutzt, um im aermsten Stadtviertel Jamestown (aus dem viele unserer Schueler stamen) AIDS-Aufklaerung zu machen. Wir haben also heute Schilder gebastelt mit einfachen Slogans wie „AIDS is REAL“, werden dann morgen mit jenen durch die Strassen laufen und in Jamestown Getraenke und Snacks verteilen und einige Krankenschwestern etwas ueber AIDS erzaehlen lassen, wenn wir am Bukum Square (grosser Platz der Jamestown-Community) mit unserem Tross (Lehrer, Freiwillige und vor allem Schueler) angekommen sind. Schauma mal.

Morgen Mittag beginnt dann fuer mich ein ganz anderes Kapitel. Ich hab mir am Donnerstag freigenommen und weil Freitag ein nationaler Feiertag ist, hab ich ein seeeehr langes Wochenende. Ich werde nach Busua fahren, das 250 km westlich von Accra liegt, mich dort mit einigen anderen Freiwilligen treffen, eine der billigen Absteigen am Strand nutzen, mich am Strand von all dem Schul-Stress erholen und wenn es gut laeuft sogar etwas Surfen lernen! FeinFein! Trotzdem vermisse ich die weihnachtliche Kaelte Deutschlands!

An dieser Stellen moechte ich mich noch einmal bei allen moeglichen Menschen bedanken. Bei meinen Spendern, bei meiner Familie, bei meiner Freundin, bei den Verwandten, Freunden, Bekannten, einfach allen moeglichen Menschen die mich in irgendeiner Weise unterstuetzt haben, unterstuetzen oder unterstuetzen werden, sei es auf finanzielle Art und Weise oder einfach nur durch Gespaeche oder aufbauende, motivierende, erzaehlende oder auch lustige Kommentare. Danke! Ich bin sehr dankbar, das hier machen zu duerfen. Arne