Kwako's Blog

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Ne Menge! April 14, 2011

Filed under: Uncategorized — kwakoarne @ 4:37 pm

Inzwischen ist schon wieder so viel pasiert, dass ich ziemlich (!) grossen Respekt davor habe, mit dem Schreiben anzufangen, da es kein kurzer Bericht werden duerfte…

 

Das letzte mal als ich meinen Blog geupdatet habe, ging es um Weihnachten und darum, dass mein Bruder mich besuchen kommt. Das ist nun schon fast 4 Monate her :O  Wie angekuendigt, kam Matthias dann irgendwann am Flughafen an und ich hab mich natuerlich sehr darauf gefreut und konnte mir ueberhaut nicht vorstellen, wie es wohl sein wuerde, den Bruder ploetzlich an seiner Seite zu haben. Dieses ungewoehnliche, eigenartige Gefuehl liess dann aber schon nach wenigen gemeinsamen Stunden nach, es war schon fast wieder normal, dass er da war. Normal war allerdings nicht, was ploetzlich meine Geheim-Schublade fuellte. Von Salami, ueber Kaese, Schokolade, Keksen, Gummibaerchen, Kuchen, Nutella, Buechern, Weener Wasser bis hin zur H-Milch war wirklich alles dabei! Es war wohl eine der schoensten Bescherungen meines Lebens! 😉 Vielen Dank an alle Beteiligten! Leider muss ich zugeben, dass es nur ein paar mickrige Kaugummis und natuerlich die Buecher bis in den April ueberlebt haben.

 

Ich habe Matthias dann also die wenigen sehenswerten und interessanten Dinge in Accra gezeigt. Achtung, Accra ist wirklich keine Schoenheit. Vom Reisefuehrer LonelyPlanet wurde Accra zur zweithaesslichsten Hauptstadt der Welt gekuehrt. Sie ist ist als Stadt beschrieben worden „deren wahre Schoenheit man erst bei laengerem Aufenthalt realisiert“. Ich wuerde sie als Stadt beschreiben, die zwar hektisch, voll, laut, voll von Abgasen und Gestank, dreckig und staubig ist, aber die fuer mich nach einer gewissen Zeit wirklich einen ganz bestimmten Flair entwickelt hat. Ganz anders also als die ruhigen und sauberen Weiten Ostfrieslands, die ich natuerlich auch vermisse, auch wenn nicht ganz so viel los ist.

 

Zuerst habe ich Matthias dann durch das fuer ihn wohl gewoehnungsbeduerftigste Viertel Accras,  Jamestown, gefuehrt, danach ging es mit Ananas, Papaya und Keksen bewaffnet zu meinem Lieblingslatz in Accra, einer Klippe, die immer menschenleer ist (was hier sehr selten ist), am Atlantik und guter Sicht auf den Kuestenverlauf. Ausserdem habe ich ihm unser Schulgebaeude und das daran angrenzende Arts Centre gezeigt. Hier haben wir noch ein bischen in die ghanaische Wirtschaft investiert, wobei mehrere Ketten, Shirts und die Figur eines schwarzen Weihnachtsmannes erstanden wurden.

 

Nachdem wir und meine Gastbrueder Kwesi (11) und Papayaw (13) dann noch einen Tag im Pool eines hiesigen Hotels verbracht haben, sind wir dann am 31. auch ganz schnell aus Accra gefluechtet und haben eine 6 stuendige Bus-und TroTrofahrt mit Zielort Busua Beach (wurde schon von berichtet) auf uns genommen, wo wir Sylvester und ein paar weitere Tage verbracht haben. Mit ein paar anderen Freunden und Freiwilligen, teilweise von meiner Organisation, teilweise privat, haben wir dann ins neue Jahr gefeiert, was ein sehr ungewoehnliches Sylvester war, da wir nicht um 12 angefangen haben, wie verrueckt Raketen in die Luft gehen zu lassen, sondern wie Verrueckte in den Ozean gerannt sind. Auch war es eine Premiere nachts am 1. Januar am Lagerfeuer zu sitzen oder darum zu tanzen.

 

Nach ein paar weiteren wunderbaren Tagen in Busua, ging es dann weiter nach Cape Coast, ehemalige Hauptstadt der Kolonie „Goldkueste“. Hier haben wir uns die Burg an geschaut, die das weltweit groesste Museum zur Sklavereigeschichte beherbergt (ein bischen Kultur muss ja auch sein 😉 ) Es war recht bedrueckend durch die ehemaligen Gefaegnisse und Todesstaetten mehrerer Tausend Klaven zu laufen. Besonders krass war die „door of no return“, eine Tuer, durch welche die noch lebenden Sklaven gingen, um den finalen Weg aufs Sklavenschiff zu machen um nie wieder zurueckzukehren. Ironie des Schicksals war, dass direkt ueber dem groessten der Gefaegnisse, die erste Kirche Ghanas gebaut wurde, um damals das Christentum nach Afrika zu bringen.

 

Ausserdem haben wir uns noch einen Nationalpark und eine Krokodilfarm angeschaut, wonach es dann auch schon wieder zurueck nach Hause ging, um rechtzeitig wieder am Flughafen zu sein. So schnell waren dann die 11 Tage auch schon wieder um L Es war auf jeden Fall eine unvergessliche und schoene Tour, die mir u.a. auch gezeigt hat, wie sehr ich hier in Ghana schon angekommen bin und mich an einige Sachen gewoehnt hab, die fuer Matthias alles andere als normal waren. Ich kann mich nur zu gut daran erinnern, als ich das erste mal eine Person mit einem „szszszsz“ gerufen habe und Matthias mich  sehr verdutzt angeguckt hat. Mit diesem Geraeusch kann man Menschen „rufen“ und auf sich aufmerksam machen. Wenn man zum Beispiel in einem Restaurant den Waiter sprechen moechte, macht man einmal dieses durchdringende penetrante Geraeusch, guckt dabei den Waiter an, und er kommt. Aehnlich funktioniert das mit vorbeifahrenden Taxis oder Wasserverkaeufern, die auf der anderen Strassenseite vorbeilaufen. Ausserdem habe ich gemerkt, wie ich mich an das auch fuer mich sehr heisse Klima gewoehnt habe. Als wir im klimatisierten Bus den Weg nach Busua zurueckgelegt haben, war die Temperatur fuer Matthias das erste mal ertraeglich, waehrend die 24 Grad fuer mich viel zu kalt waren. Aehnlich war es nachts in Busua, waehrend es den vielen „Assimilierten“ schon zu kalt wurde, hat er es das erste mal als „angenehm“ empfunden.

 

Als Matthias wieder weg war, fing dann fuer mich der Alltag wieder an, also die Schule. Ich habe jetzt meine eigene Klasse, die ich zusammen mit Martin, einem anderen deutschen Freiwilligen, „unterrichte“. Die „Special Class“ ist eine echte Herausforderung und wirklich ganz schoen special. Unsere Schueler haben im vergangenen Herbst ihr erstes Schuljahr angetreten und mussten erst einmal lernen, wie man ueberhaut einen Stift richtig in der Hand haelt. Nein, ich bin nicht Lehrer einer Vorschulklasse. Unsere Aelteste  ist schon stolze 13 Jahre alt. Der Juengste duerfte um die 6 sein, obwohl wir das wohl auch nie so ganz sicher wissen werden. Uebernommen haben wir die Klasse von einem anderen deutschen Freiwilligen, Niklas, der uns ein gut bestelltes Feld hinterlassen hat (sie konnten nach 4 Monaten das „abc“ und die Addition bis 10, zumindest teilweise). Dieser verrueckte Bengel hat sich dafuer entschieden sein Flugzeug ohne ihn abfliegen zu lassen und befindet sich stattdessen irgendwo auf den Strassen bzw. Sandpisten Westafrikas mit dem Ziel Hamburg. Mal sehen, ob er es schafft vor mir im hohen Norden anzukommen. Ich gehe davon aus.

Zurueck zur Special Class. Ich wuerde sagen, dass ich nach 3 Monaten Arbeit echt urlaubsreif bin. Es ist wirklich sehr, sehr anstrengend, was wohl zum groessten Teil daran liegt, dass die Kinder extrem undiszipliniert sind. Gerade in den ersten Wochen musste ich erstmal herausfinden, wie man mit so einer Klasse ueberhaupt umzugehen hat.  Manchmal muss man einfach einsehen, dass man in dem Moment keine Chance hat die Klasse (nur 12 Schueler/innen) zu beruhigen, und setzt sich entweder hin und faengt an vor sich hinzusingen oder man macht einfach beim Quatsch der Kinder mit, um deren Aufmerksamkeit zu bekommen. Geduld ist dabei oftmals besser als das lauteste Schreien. Ich meiner ersten Woche war ich einmal so frustriert, dass ich ein Kind so laut wie ich nur konnte angeschrien habe. Dabei kommt es dann nicht darauf an, ob man Englisch, Deutsch oder Alt-Griechisch redet, da man sowieso nicht verstanden wird. Wenn mich damals mein Lehrer in der Grundschule so angebruellt haette, was natuerlich nie noetig war, haette ich den ganzen Tag bitterlich geweint. Dieses Maedchen hat sich kurz erschrocken, hat dann aber auch damit weitergemacht, womit auch immer sie gerade beschaeftigt gewesen ist. In Mathe haben wir es auf Addition bis 30 geschafft. In Englisch sind wir gerade dabei 2-Buchstaben-Worte zu lernen. Als ich dann Lovejoy (krasser Name oder?) zum Schreiben nach vorne geholt habe, konnte er mir zwar „GO“ nicht an die Tafel schreiben, dafuer aber die Namen aller Charaktaere von Mario Cart. Zu ihm werde ich mich demnaechst nach Hause einladen lassen. Elternsprechtag oder so. Videospiele koennen also doch bildend sein! Ein ganz grosses Problem ist der unterschiedliche Wissensstand der Schueler. Macht man Unterricht fuer die einen, langweilen sich die anderen und wozu Langeweile fuehrt wissen wir ja. Ausserdem verstehen sie es einfach nicht, dass man einfach mal kurz warten kann, bis Sir Arne oder Sir Martin z.B. mit dem Austeilen der Bleistifte fertig sein, stattdessen werden wir immer wieder (und wirklich immer wieder) darauf hingewiesen, dass das Radiergummi noch fehlt. „Eraser!! Eraser!! Sir Arne! Eraser!! …“ zwei Ausrufezeichen bedeuten besonders laut geschrieen. Was an der Arbeit ziemlich deprimierend ist, ist der fehlende Respekt. Wenn wir an der Tafel etwas erklaeren moechten, ist es gut,wenn ein Drittel der Klasse zuhoert, zumindest fuer einen kurzen Moment. Wenn ich dann aber mal den ghanaischen Lehrer einer anderen Klasse frage, ob er es kurz auf der Landessprache nochmal erklaeren koennte, damit es alle verstehen, hoeren alle wie gebannt zu. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass wir zu jung sind, sie wissen, dass wir auf keinen Fall „Hand anlegen werden“, die Stammessrache nur bruchteilhaft koennen oder schlichtweg daran, dass wir weiss sind.

 

Auch ausserhalb der Schule ist eniges passiert. Ich habe mir im Januar beim einem sehr teuren Import-Supermarkt fuer Reiche Westler Kartoffeln gegoennt !!! Zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, Ei  und – Achtung jetzt kommts – Matthias‘ Kaese hab ich mir Bratkartoffeln gebruzzelt, was ungefaehr das leckerste Essen des Jahres war, auch wenn sich das fuer euch nicht allzu spektakulaer anhoeren mag. Als meine Gasttante das probiert hat sagte sie nur, sie wuerde in Zukunft oefter Kartoffeln kaufen J Es kann also nicht soo schlecht gewesen sein.

 

Ein anderes Highlight dieses Jahres war das AFS-Midstay, eine fuer weltwaertsler verpflichtende Angelegenheit, bei der das zurueckliegende halbe Jahr bewertet wurde. Hier mussten all diejenigen hinkommen, mit denen ich im August ausgereist bin. Um 10 Uhr morgens mussten wir da sein und wir wurden extra vorgewarnt, dass sie dieses Mal wirklich puenktlich abfahren und diejenigen, die zu spaet kommen, Pecht gehabt haben. Ich bin dann puenktlich um halb 11 beim AFS-Office angekommen und durfte dort dann noch 3,5 Stunden bis 2 abhaengen, weil wir aus organisatorischen Gruenden doch noch nicht los konnten. Ghana!

 

Es ging dann im AFS-Bus in die bergige Volta-Region, die links vom Volta und rechts von Togo begrenzt ist. Wir haben in dieser Woche nicht nur Seminare gehabt, sondern sind auch im Bus quer durch die Region gerollt um verschiedenste Sehenswuerdigkeiten zu sehen. Dabei habe ich auch die Busfahrten immer sehr genossen. Es ging durch die schlaengelnden Strassen in den Taelern waehrend man die urwaldgruenen Bergfronten zur linken und rechten bestaunen konnte, irgendwie so wie ich mir das laendliche Afrika manchmal vorgestellt habe. Wir haben es u.a bis zu den hoechsten Wasserfaellen Westafrikas geschafft, was sehr schoen, aber nicht zu beschreiben ist. Ausserdem haben wir ne Wanderung duch nen Urwald unternommen und ein Affen-Reservat besucht, was ich sehr genossen habe. Alles in allem war es eine sehr gute Woche.

 

Meine Gasttante hat vor 2 Jahren mit einer ehemaligen amerikanischen Gasttochter eine NGO gegruendet, die sich zum Ziel gesetzt hat in dem Heimatdorf meiner Gastfamilie – Ekumfi Attakwa –  Entwicklungsarbeit zu leisten. Letztes Jahr war das erste mal eine Grupe von Amerikanern da, die das Schulgebaeude renoviert haben.  Am 31 Maerz ist wieder eine 13-koepfige Gruppe von Amerikanern angekommen. Als ich an derem Anreise-Tag von der Arbeit gekommen bin, haben 4 von denen in meinem Zimmer Quartier bezogen. Einer von ihnen hat mich dann netterweise gefragt, ob ich nicht bei denen im Zimmer mit ihnen abhaengen moechte. Als ihm dann erklaert habe, dass es eigentlich mein Zimmer sei, war es ihm ziemlich peinlich, aber wir haben noch oft frueber gelacht.en 4 von denen in meinem ZImmer u sein, was eigentlich nie vorkommt t hat in dem Heimatdorf meine Gastfa Ich habe mir fuer 7 Arbeitstage Urlaub genommen, um bei dieser Sache dabei zu sein. Es war sehr eigenartig ploetzlich einer von 14 Weissen zu sein, was sonst eigentlich nie vorkommt. Wir sind dann am 1 April ins Dorf gefahren, wo wir in einem Haus der Familie unterkommen konnten. Wir wurden dann auch gleich sehr herzlich von den Dorf-Bewohnern und vielen Kindern begruesst, die uns mit verschiedenen Taenzen und Trommeleien willkommen hiessen. Von Freitag bis Samstag haben die Amis dann 8 Tage lang Hand angelegt, waehrend ich mich eher aufs Urlaub haben konzentriert habe, den ich bitter noetig hatte! 😉  Trotzdem war ich nicht ganz untaetig. Es wurde ein Spielplatz gebaut, ein Zaun darum, eine Wand gegen Erosion, die Mauern gestrichen und die Fussball-Tore wieder aufgebaut. Am naechsten Samstag gings dann mit der Truppe fuer 2 Tage zur Green Turtle Lodge, einer wunderschoenen Oekoferienanlage am Meer betrieben von 2 Englaendern. Es war wunderschoen! Waehrend dieser ganzen Zeit hat meine Tante, die Caterer ist, fuer die ganze Trupe gekocht. Immer wenn Gaeste da sind, kocht sie nochmal um ein ganzes Stueck besser, bzw anders. Ich habe es sehr genossen, da es manchmal zu Hause doch sehr langweilig werden kann. Am Montag-Abend ging es dann zurueck nach Accra und am Dienstag-Abend haben wir sie zum Flughafen gebracht. Es war eine sehr tolle Trupe und eine noch bessere Zeit. Schade, dass das schon wieder vorbei ist und sie wieder Tausende Kilometer entfernt von uns. Aber so ist das Leben wohl.

 

Fuer mich beginnt nun wieder ein neuer Abschnitt. Ich habe morgen (14.04.2011) meinen letzten Schultag vor den Ferien ( 25 Tage ). Diese moechte ich so gut wie moeglich nutzen um Ghana nochmal zu erkunden und vor allem in den Norden Ghanas zu kommen, der noch einmal ganz anders als der Sueden sein soll. Ausserdem gibt es im Norden den Mole-Nationalpark, in dem ich mir meinen Langzeit-Wunsch – Elefanten zu sehen – erfuellen moechte. Den Weg in den Norden werde ich wohl in einem Dampfer ueber den Volta-See auf mich nehmen, der am Montag im Sueden startet und eigentlich 36 Stunden benoetigt um in den Norden zu gelangen. Ich habe allerdings auch schon Reisende getroffen, die gesagt haben, es dauere ghanaische 72 Stunden. Schauma mal, ein Abenteuer wird es allemal. Ich werde auf jeden Fall spaetestens am 9 Mai wieder in Accra sein, weil dann mein Gastbruder Desmond aus Mumbai, India, zurueckkommen wird, worauf ich mich sehr freue. Am 10 Mai muss ich wieder zur Schule. Wenn es soweit ist, dauert es nur noch ca. einen Monat bis ich wieder in Deutschland bin. Meine Tage sind gezaehlt! :O

 

Das wars nun erstmal wieder von mir! Ich freue mich wie immer ueber Kommentare!

Liebe Gruesse, Arne!

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